Hellmut Trunschke, Kapitel 1 Hinführung

Ich will keine Weltgeschichte schreiben, dazu wäre ich auch gar nicht in der Lage. Es gilt, ein gemeinsames Kulturerbe Deutschland mit Polen zu erhalten und zu pflegen.

Wir Deutschen haben ein Dilemma, nämlich wir wissen heute noch zu wenig von Polen. Dies trifft besonders für die grenznahen Gebiete zu. Es ist unsere Pflicht, nach mehr als 70 Jahren am 1. September 1939 Kriegsbeginn Deutschland (Hitler-Faschismus) mit Polen darüber nachzudenken. Eine besondere Aufklärung unter der Jugend auf beiden Seiten ist von Nöten. Sie haben es nicht erlebt, kennen es nur, wenn überhaupt, vom Erzählen oder aus Büchern. Die Erzählung kann sehr unterschiedlich sein. Sie hängt oft von persönlichen Erlebnissen und Einstellungen der jeweiligen Person ab.

Wir Älteren sollten uns erinnern und den Weg der Versöhnung suchen. Das Wort „die Pollacken“ sollte ein für alle Mal aus den Büchern und im Gedankenaustausch verschwinden.

Auch ich habe durch die ersten Berührungen mit polnischen Menschen sehr schnell begriffen, dass auch meine persönlichen Vorbehalte unberechtigt waren. Ich möchte meine Erlebnisse, Erfahrungen in den bisherigen 50 Jahren – Kontakt mit polnischen Bürgern und Einwohnern von Gronow der Gemeinde Dabie hier in meinem Buch vermitteln.

Gerade gegenwärtig, wo Europa in Bewegung ist, ein freies, friedliches, grenzenloses Europa zu werden, haben wir alle gemeinsam eine große Verantwortung. Ich denke, ein einheitliches Auftreten ist im künftigen Europa gefragt. Besonders im grenznahen Gebiet der „Euroregion Spree-Neiße-Bober“ und der Region Sprewa-Nysa-Bóbr sind die Versöhnung und Toleranz besonders gefragt. Hier kommen die Menschen aus den Oder-, Spree-, Neiße- und Bobergebieten öfter in Berührung. Durch den grenzfreien Verkehr kommt es nun zu einer regen Begegnung auf allen Gebieten. Dieser Annäherungsprozess in der Politik, Wirtschaft, Kultur, Kommune, Sport und Familie ist zwar vorangeschritten. Aber hier haben wir alle gemeinsam noch viele Reserven.

Ich möchte einfach behaupten: Wir Deutschen brauchen die Polen und die Polen brauchen uns. Wir sollten Brücken der Versöhnung statt Brücken der Vorurteile bauen. Wir haben uns bei Begegnungen nicht mehr zu streiten, wer wem was getan hat oder wer schuldig ist. Wir sollten uns darauf konzentrieren, was uns gemeinsam verbindet – das Dorf, die Stadt, Europa.

Durch das Buch sollen den deutsch-polnischen Lesern einige Gedanken und Überlegungen zum Nachdenken vermittelt werden. Die Darlegungen könnten zum Handeln in unserer Region und darüber hinaus dienen.